Der Ordensnachlass Baron Zuylens – einer der frühesten „Bärenträger“

Abb. 1: Baron Zuylens Ordens- Arrangement, wohl ursprünglich in einem Bilderrahmen drapiert

Abb. 3: Die auf dem Arrangement angebrachte Visitenkarte

Ein hochinteressanter Nachlass, noch dazu „benamt“, ist kürzlich ins Anhaltinische repatriiert worden.

Durch die vorhandene Trägerzuordnung ist auch das im Nachlass vorhandene Exemplar der Gattung Ursidae exakt datierbar. Baron Zuylen erhielt das Stück am 10.Februar 1847, zieht man die Herzöge und Prinzen des Hauses als geborene Inhaber ab, war Baron Zuylen erst der 34. Inhaber eines Komturzeichens. Somit ist dieses eines der frühesten belegbaren Bären und wohl aus der Werkstatt des Hofbronzeurs Wilhelm Liebau stammend.

Abb. 2a: Detailaufnahmen des Bären VS

Abb. 2b: Detailaufnahmen des Bären RS

Das Stück stellt sich in der Tat nicht als geprägt, sondern als feinst gegossen heraus. Es ist mit sehr viel Handarbeit nachbearbeitet und an etlichen erhabenen Stellen auf Hochglanz poliert.

Damit bestätigt sich wieder einmal eine Theorie unseres Anhalt- Altmeisters Dr. Scharfenberg, der die frühesten Exemplare aus der Werkstatt Liebau als gegossen einordnet. Wilhelm Liebau war Gelbgießer und damit sehr wohl technisch in der Lage, derartige feine Güsse anzufertigen. Bei den relativ geringen Verleihungszahlen des Bärenordens in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens war diese eher zeitaufwendige Anfertigungsmethode ausreichend. Erst später ging man über den dann viele Jahrzehnte tätigen Hoflieferanten Heinzelmann auf geprägte Ordenszeichen über.

Abb. 4: Eintrag der Verleihung des Ordens vom Niederländischen Löwen im Almanach Royal

Abb. 5: Die „Bärenverleihungen“ nach Belgien in den Jahren 1845-1847 im Almanach Royal

Abb. 5a: Auszug aus der Matrikel des Hausordens mit der Verleihung an Baron Zuylen

Abb. 6: Baron Zuylens Eintrag der Verleihung des Belgischen Leopold-Ritters im Almanach Royal

Nun ein paar Details zum Träger dieses charmanten Ensembles;

Frédéric Etienne Joseph Baron van ZUYLEN van NYEVELT wurde am 06. November 1811 in Brügge geboren, er entstammte einem alten Niederländischen Adelsgeschlecht. Am 03. August 1828 wurde er von König Wilhelm zum Baron erhoben, der Titel war auf seine Nachkommen übertragbar.

1830 wurde Flandern und damit Brügge Teil des neuen Königreichs Belgien, damit wurde auch Frédéric Bürger Belgiens und trat später dem diplomatischen Dienst bei.

1844 heiratete er Gabrielle Stephanie Hubertine Ghislaine Goupy de Beauvolers (20. September 1823 – 30. Dezember 1895); das Paar bekam drei Kinder.

Zunächst diente Baron Zuylen als Legationssekretär bei der kgl. Belgischen Gesandschaft in Den Haag, eine Verwendung, die ihm seinen ersten Orden bescherte. Als „Abschiedsgeschenk“ zum Wechsel nach Berlin erhielt er das Ritterkreuz des Ordens vom Niederländischen Löwen.

Am 10.02.1847 vermerkt die Matrikel (Lit. 1) des Hausordens Albrecht des Bären die Verleihung der Komturklasse an Baron Zuylen, Kgl. Belgischer Legationssekretär 1.Klasse an der Gesandtschaft in Berlin.

Abb. 7a: Baron Zuylens Ritterkreuz des belgischen Leopold-Ordens VS

Abb. 7b) Baron Zuylens Ritterkreuz des belgischen Leopold-Ordens RS

Gleichzeitig mit ihm erhielt sein Vorgesetzter, Jean Baptiste Baron Nothomb, kgl. Belgischer Staatsminister, Außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister am kgl. Preußischen, an den königlich, großherzoglichen und herzoglich Sächsischen Höfen und auch beim herzoglich Braunschweigischen und den Anhaltischen Höfen, das Großkreuzzeichen des Hausordens.

Ebenfalls mit der höchsten Klasse wurde der kgl. Belgische Justizminister Jules Baron D´Anethon dekoriert, das Komturzeichen ging auch an Emil Baron T´Serclas, Generalsekretär im kgl. Belgischen Außenministerium.

Abb. 8a) Baron Zuylens Ritterkreuz des Ordens vom Niederländischen Löwen VS

Abb. 8b: Baron Zuylens Ritterkreuz des Ordens vom Niederländischen Löwen RS

Baron Zuylens Dekorierung mit dem Komturzeichen ist als recht hohe Ehrung anzusehen, in seiner Rangklasse wurde man sonst eher mit Ritter- Klassen bedacht. So wurde sein Vorgänger im Amte, H. Carolus, 1845 auch „nur“ mit dem Ritterzeichen dekoriert.

Zum Jahresende 1849, am 26.12., erhielt er seinen ersten und einzigen heimatlichen Orden, das Ritterkreuz des Leopoldordens. In kommenden Jahr finden wir Baron Zuylen wieder an seiner alten Wirkungsstätte bei der Gesandtschaft in Den Haag. Aufgrund einer Erkrankung, die er sich in der Zeit der Revolution in Berlin zugezogen hatte, quittierte er den Dienst und zog sich ins Privatleben zurück. Über sein weiteres Leben ließ sich bisher leider nichts in Erfahrung bringen.

Baron Zuylen ist am 30.12.1881 in seiner Heimatstadt Brügge verstorben und wurde auf dem Friedhof Sainte-Croix in der Familiengruft beigesetzt.

Für die Unterstützung bei der Abfassung des Artikels bedanke ich mich ganz herzlich bei Daniel Krause, Potsdam, Jean-Pierre van Zuylen van Nyevelt und Patrick van Hoorebeke, Belgien und Laurens Stroek, Niederlande.

Quellen und Literatur

Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Z 17, Anhaltische Ordenskanzlei Nr. 3, „Verzeichniß der Inhaber des Herzoglich Anhaltischen Gesammthausordens Albrecht des Bären“

Gerd Scharfenberg; „Die Orden und Ehrenzeichen der Anhaltischen Staaten“, Offenbach 1999

Staatsanzeiger und Staatshandbücher Anhalts, Preußens und Belgiens (Almanach Royal), div. Jg.

"Le Parchemin", Office Généalogique et Héraldique de Belgique, Ausgabe 227-228 Oktober - Dezember 1987, S. 418ff

div. genealogische Websites

Anmerkungen

1) https://man8rove.com/fr/profile/16gtcbgpl-frederic-van-zuylen-van-nyevelt
2) 20.06.1847 lt. Almanach Royal Officiel 1847
3) Almanach Royal Officiel 1851

Abb. 9: Frédéric Baron Zuylen (Bild aus „Le Parchemin“)

Abb. 10: Frédéric Frau Gabrielle (Bild aus „Le Parchemin“)

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Eine bisher wohl unbekannte preußische Anerkennungsurkunde für 1864 - Der Nachlass Moritz v. Lettow-Vorbeck