Das Anhaltische Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ – ein wenig Statistik
Das Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ wurde von Herzog Friedrich I am 29. April 1895 für männliche Arbeiter gestiftet, die 25 Jahren in ein und demselben Dienstverhältnis gestanden haben.
Im Geiste der Zeit waren daneben die Kriterien Vaterlandsliebe, Treue gegenüber dem Landesherrn, Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten und Straflosigkeit zu erfüllen. Der Militärdienst wurde nicht als Unterbrechung angesehen, wenn der Arbeiter nach seiner aktiven Dienstzeit sofort wieder in sein vorheriges Dienstverhältnis zurückgekehrt ist.
Zwischen Anhalt und Preußen wurde vereinbart, dass auch preußische Untertanen, die in Anhalt beschäftigt waren, die Medaille unter gleichen Bedingungen wie Anhaltiner erhalten konnten. Die Verleihungen bedurften keines der sonst üblichen Genehmigungsverfahren zur Annahme und zum Tragen der Medaille. Die Anhaltischen Behörden mussten nur die an Preußen erfolgten Verleihungen an das Ministerium des Innern melden.
Anhaltiner, die auf den herzoglichen Besitzungen außerhalb Anhalts arbeiteten, konnten die Medaille ebenfalls erhalten.
Vorderseitig zeigt die Medaille das Porträt des Herzogs, welches von der anhaltischen 2- Mark Münze von 1876 übernommen wurde, Rückseitig zeigt sie die Zweckinschrift „Für Treue in der Arbeit“ umgeben von einem Eichenkranz. Die Stempel wurden von Friedrich Wilhelm Kullrich geschnitten, die Medaillen lieferte der Hofjuwelier Heinzelmann aus Dessau.
Sie kam, legitimiert durch ein Besitzzeugnis und in einem Etui zur Verleihung, in späten Jahren auch nur in einem Verleihungstütchen.
Dieses Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ ist neben dem Friedrich-Kreuz die am häufigsten verliehene Anhaltinische Auszeichnung der vor-republikanischen Zeit und ist daher recht häufig am Markt anzutreffen.
Unser Altmeister Dr. Scharfenberg hat sich für sein großes Übersichtswerk der undankbaren Mühe unterzogen, das vorhandene Quellenmaterial zwecks Ermittlung der Verleihungszahlen durchzuzählen. Die von ihm ermittelten Zahlen seien hier nochmals dargestellt und mit neuen Zahlen verglichen.
Abb. 1a: Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ im Etui, als Einzelschnalle; der Träger hat immerhin Kosten nicht gescheut, sich seine Medaille hochwertig montieren zu lassen und auch die passende Miniatur dazu erworben VS
Abb. 1b: Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ RS
Bei der vom Vf. vorgenommenen namentlichen Aufstellung der Beliehenen traten doch einige Diskrepanzen zu den Scharfenbergschen Zahlen auf.
Wesentliche Quellen sind einerseits der „Anhaltische Staats-Anzeiger“, in dem von Einzelverleihungen bis hin zu Sammel-Listen mit über 100 Namen fast alle Träger des Ehrenzeichens „Für Treue in der Arbeit“ veröffentlicht wurden, und der Aktenbestand im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, in dem sich auch die Akten zu den Verleihungen an Preußische Untertanen befinden.
Neben einigen wenigen, in der Gesamtschau vernachlässigbaren Zählfehlern in den Veröffentlichungen der Verleihungen saß Dr. Scharfenberg allerdings einem nicht unerheblichen Irrtum auf. Im zugegebenermaßen mühsamen namentlichen Abgleich der Beliehenen stellte sich heraus, dass bis auf 14 ALLE Verleihungen an preußische Untertanen bereits im „Anhaltischen Staats- Anzeiger“ veröffentlicht wurden und nicht wie von Dr. Scharfenberg auf die Zahl der Anhaltiner obendrauf gerechnet werden. Des Weiteren stellte sich heraus, dass zwar die meisten Verleihungen an Preußen zumindest jahresaktuell von Anhalt an Preußen gemeldet wurden, teilweise aber auch erst ein bis zwei Jahre später; in einigen Fällen wurde doppelt gemeldet. In fünf Fällen, zuletzt 1899, wurde zudem „überflüssigerweise“ um die nicht notwendige Tragegenehmigung ersucht und diese auch brav im Preußischen Staatsanzeiger veröffentlicht.
Abb. 2a: Schnalle mit dem Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ und dem Ehrenzeichen für Mitglieder der Feuerwehren, in dieser Kombination nur ca. 180 mal anzutreffen VS
Abb. 2b: Schnalle mit dem Ehrenzeichen RS
Abb. 3a: Schnalle eines Veteranen der Feldzüge von 1866 und 1870/71, der anschließend auch das Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ erhielt, typische und sauber gefertigte Montierung für „einfache Leute“ VS
Abb. 3b: Schnalle eines Veteranen der Feldzüge von 1866 und 1870/71 RS.
Für die allermeisten Träger war das Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ wohl die einzige Auszeichnung, die sie jemals erhielten, daher sind große Ordensschnallen mit dieser Medaille recht selten am Markt. Doch lassen sich drei zum Teil überlappende Gruppen „besser dekorierter Arbeiter“ definieren.
Viele der Beliehenen der 1890er und frühen 1900er Jahre dürften noch Veteranen der Einigungskriege 1866 und 1870/71 gewesen sein und über die entsprechenden Denkzeichen hierfür verfügen.
Durchaus den bereits oben genannten Kriterien Vaterlandsliebe, Treue gegenüber dem Landesherrn und Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten entsprechend, habe sich aber etliche „Treue Arbeiter“ auch anderweitig engagiert. So findet man unter den Beliehenen auch ca. 180 Träger des Ehrenzeichens für Mitglieder der Feuerwehren.
Dass einfache Arbeiter mit höheren Dekorationen bedacht wurden, kam selten vor. Nach einer Entscheidung des Staatsministeriums vom 13. Juli 1895 erhielten Arbeiter kein Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“, wenn sie bereits mit einer Verdienstmedaille des Hausordens dekoriert wurden, auch wenn diese Verleihung in einem anderen Kontext erfolgte. Allerdings erfolgten Verleihungen der silbernen Verdienstmedaille NACH der Verleihung des Ehrenzeichens „Für Treue in der Arbeit“. Insbesondere wurden hier Verdienste im Kriegervereinswesen, in der freiwilligen Feuerwehr und Sanitätsarbeit gewürdigt. In einigen Fällen erfolgten Verleihungen der Silbernen Verdienstmedaille wohl auch für längere Arbeitsjubiläen. So häufen sich ab dem Jahr 1905 derartige Fälle, dass Beliehene der Erstverleihungsserie 1895, bei denen sicher etliche die erforderlichen 25 Jahre überschritten hatten, nun für längere Arbeitsjubiläen nochmals geehrt wurden.
Abb. 4: Urkunde zum Ehrenzeichen „Für Treue in der Arbeit“ für den Anschläger Louis Naumann
In etwa 180 Inhaber des Ehrenzeichens „Für Treue in der Arbeit“ konnten sich später auch mit der silbernen Verdienstmedaille schmücken; mindestens drei hiervon besaßen zusätzlich das Ehrenzeichen für Mitglieder der Feuerwehren.
6475 sind im Anhalter Staatsanzeiger veröffentlicht. Von den 804 Preußen sind bis auf 14 alle im Anh. Staatsanzeiger mit aufgenommen. Ergebnis: 6475 + 14 = 6489
Trägerfotos scheint es offensichtlich nur wenige zu geben, zumindest liegt dem Vf. keines vor. Falls jemand aus der geneigten Leserschaft über solche verfügt, wäre der Vf. über eine Kontaktaufnahme sehr dankbar. (Herzogtum.anhalt@icloud.com)
Quellen und Literatur
Gerd Scharfenberg; „Die Orden und Ehrenzeichen der Anhaltischen Staaten“, Offenbach 1999
Staatsanzeiger und Staatshandbücher Anhalts und Preußens, div. Jg.
„Acta betr. die an Preußische Unterthanen verliehenen Herzoglich Anhaltischen Orden und Ehrenzeichen“, GStA I.HA, Rep. 77 Ministerium des Innern, Tit. 153, Nr. 78
Bildnachweis:
Sammlung des Verfassers
Anmerkungen:
1) Siehe: LASA Z 109, Nr.415
2) Gerd Scharfenberg; „Die Orden und Ehrenzeichen der Anhaltischen Staaten“, Offenbach 1999
3) Siehe: GStA I.HA, Rep. 77 Ministerium des Innern, Tit. 153, Nr. 78, „Acta betr. die an Preußische Unterthanen verliehenen Herzoglich Anhaltischen Orden und Ehrenzeichen“
4) Siehe: LASA Z 109, Nr.415
5) Angaben entnommen der vom Vf. in Erstellung befindlichen Verleihungslisten zu den anhaltischen Orden und Ehrenzeichen